Out now: Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst (Suhrkamp)

Heute ist der offizielle Erscheinungstag des Buches “Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst” (Suhrkamp) von Anna-Verena Nosthoff.

Das Buch entwirft eine Theorie der digitalen Gegenwartsgesellschaft anhand des umfassenden Kybernetisierungsprozesses seit den 1940er/ 1950er Jahren, angefangen bei den ersten Prämissen der »Wissenschaft von Kommunikation und Kontrolle« über die Entwicklung der politischen Kybernetik und einer Demokratie zweiter Ordnung (Stafford Beer), bis hin zur Emergenz des Cyberspace, seinen marktliberal-antipolitischen Narrativen und der “new economy”. Schließlich verhandelt das Buch die feedbackbasierte Logik der Plattformen und adaptive Governancedispositive, den aktuellen KI-Hype, technikautoritäre Strömungen, “TESCREAL”-Ideologien und das, was man “autoritäre Kybernetik” nennen kann.

Einerseits geht um ein Verständnis der digitalisierten Gesellschaft ausgehend von Figuren und Dispositiven der Kybernetik erster und zweite Ordnung; zu nennen sind etwa die feedbacklogische Mensch-Maschine-Analogie, die Situierung des Geistes in nächster Nähe zum Computer, das proto-behavioristische Subjektverständnis, die Ursprünge der prädikativen Analytik, Figuren der “Kontrolle zweiter Ordnung”, Selbstregulation als Steuerungsdispositiv im kybernetischen Kapitalismus, das postpolitische, zuweilen technokratische Mindset und die Neutralitätsillusion der Kybernetik, die sich in das technosoziale Imaginäre der Gegenwart eingeschrieben hat.

Andererseits stelle ich im Buch auch die zentrale Frage nach Formen der Kritik, angefangen bei den ersten Kritiken der Kybernetik (Jonas, Anders oder Taylor) über Kritiken kybernetischer Politik (Jürgen Habermas, Herbert Marcuse, Wolf-Dieter Narr), Kritiken des kybernetischen Kapitalismus und der kybernetischen Operativität und Beschleunigung (Tiqqun, Virilio, Flusser, Baudrillard) bis hin zu gegenwärtigen Kritiken rekursiver Regierungslogik (Rouvroy, Hörl). Schließlich zeigt sich: Die Kybernetisierung erfasst auch die Kritik – die sich daher neu erfinden muss, um zu überleben. Und das gilt umso mehr in einem Zeitalter des erstarkenden kybernetisch-kapitalistischen Autoritarismus, wie er etwa von Figuren wie Elon Musk etc. forciert wird. Das Buch endet mit einem Satz von Anders: “Wenn ich verzweifelt bin, was geht’s mich an. Machen wir weiter, als wären wir es nicht!”

Die offizielle Beschreibung des Verlags lautet:

Elon Musk bezeichnet die Plattform X als »kybernetische Superintelligenz«, Mark Zuckerberg denkt Unternehmen als »lernende Organismen«, und der Erfinder der Datenbrille Google Glass sagt: »Die Kybernetik ist überall, wie Luft.« Diese Aussagen kommen nicht von ungefähr. Wer die Digitalisierung verstehen will, muss auf ihre kybernetischen Ursprünge schauen. In ihrem grundlegenden Buch zeichnet Anna-Verena Nosthoff ein umfassendes Panorama der Kybernetisierung der datafizierten Gegenwartsgesellschaft – von den ersten Prämissen der »Wissenschaft von Kommunikation und Kontrolle« über die Emergenz des Cyberspace bis hin zum aktuellen KI-Hype und zu technikautoritären Strömungen. Es zeigt sich: Die Kybernetisierung erfasst auch die Kritik – die sich daher neu erfinden muss, um zu überleben.

Hier geht es zur Leseprobe.

 

Anna-Verena Nosthoff & Felix Maschewski