Gesellschaft im Taschenformat

Ein Interview mit Geert Lovink zum Mythos der Selbstermächtigung via Handy

Wie sich auf dem jüngst eingerichteten Online des niederländischen Medientheoretikers nachvollziehen lässt, hat Geert Lovink mit so unterschiedlichen Intellektuellen wie der finnischen Künstlerin Marita Liulia [http://laudanum.net/geert/files/1005895671/index.shtml?1008864596] und dem japanischen Medientheoretiker Toshiya Ueno [http://laudanum.net/geert/files/1006075352/index.shtml?1008864846] über mobile Telekommunikationsnetze diskutiert. In Erinnerung sind auch seine spekulativen Statements in der deutschen Musikzeitschrift De:Bug [http://www.de-bug.de/] zu der Zukunft des Handys geblieben. Ausserdem ist er einer der Mitbegründer von Browserday [http://www.nl-design.net/browserday/], eine jährliche Veranstaltung, die sich in ihrer diesjährigen fünften Version unter dem Motto “Mobile Minded” tragbaren Interfaces verschrieben hatte. Zeit, dem Tausendsasser ein paar Fragen über die Entwicklungen auf diesem hochdynamischen Mediensektor zu stellen.

Krystian Woznicki: Wie würden Sie im Vergleich zu anderen Telekommunikationstechonologien die Geschwindigkeit der Prozesse auf dem Mobilmarkt einordnen?

Geert Lovink: Ich möchte hier nicht über die Zukunft von ‘cellspace’ spekulieren – jenen Raum also, der nach Matthew Fuller von der krebsartigen Verbreitung von Mobiltelefonen (Cellphones) in der Gesellschaft hinterlassen wird. Ob die ‘dritte Generation’ Technologie ein Erfolg wird oder nicht, sollte uns nicht so sehr beschäftigen. Das Netz befindet sich ja derzeit in seiner eigenen 3G Krise, weil die Verbreitung von Breitband weltweit stagniert. Die Märkte, die vorausgesagt wurden sind einfach nicht da. Viele sind einfach zufrieden mit Email plus Web. Es gibt eine faszinierende Divergenzsbewegung, eine Entwicklung weg von Konvergenz. Stattdessen finden die Usermassen eine für sie angenehme, begrenzte Nutzung dieser Technologien. KW: Was sind die sozialen Implikationen der Handy-Welle? GL: Was mich interessiert sind die allzumenschlichen Begrenzungen der tatsächlichen Benutzung: Ab welchem Punkt verschwindet die Magie der Emails und der SMS messages eigentlich, wenn Leute abschalten? Was ich auch erstaunlich finde, ist die stalinistisch-protestantische Starre der Marketingmanager. Sie predigen Chaos und Komplexität, aber ihr Weltbild ist so mechanistisch, wie noch nie.

KW: Welchen Raum haben vor diesem Hintergrund medienaktivistische bzw. künstlerische Interventionen?

GL: Kaum. Sie sind nicht nicht mal Begleitmusik fuer die Technologiebranche. Faktisch existieren Kunst und Politikäusserungen fuer die IT Leute nicht. Ich weiss, es gibt Ausnahmen, aber das ist erstmal die Lage. Es gibt unzählige Gründe, weswegen die technische Kultur so ist, wie sie ist. Ich habe mich in den letzten Jahren aber mit dieser Monokultur der Ingenieure abgefunden. Es macht keinen Sinn so zu tun, als ob es diese real existierende parallele Welt nicht gibt und alle, harmonisch, in multidisziplinären Zusammenhängen zusammenarbeiten. Nein. Wie Sie sagen, die künstlerischen und politisch-aktivistischen Projekte im Bereich der Neuen Medien sind – im besten Fall – Interventionen. Schauen wir uns den Browsertag als Beispiel an. Dieser Wettbewerb für Studenten im Web und Multimediabereich ist zwar interdisziplinär in seiner Philosophie, aber genauer betrachtet zielt er eigentlich nur auf die Stärkung der Interactiondesignszene ab. Versuche die Industrie mit einzubeziehen gelingen zwar auf der Eventebene, gehen aber kaum darüber hinaus. KW: Ist ausserhalb des industriellen Themenparks nichts möglich?

GL: Was passiert ist der Aufbau einer ‘Drittkultur’, ausserhalb von Industrie und traditionellen Bildungsbereichen wie Grafik, Bildende Kunst oder Informatik. Es gibt viel Raum für eine ‘third culture’, die eine relative Autonomie gegenüber den staatlichen Medienorganen und der Industrie entwickelt. Nur gab es in England die These, das diese so genannten ‘creative industries’ ein Wirtschaftfaktor sind. Das möchte ich aber bezweifeln. Der Netto-Effekt ist eine vielfältige Medienkultur, die autopoetische Werte erzeugt. Der Einfluss dessen auf Werbung und Fernsehen, zum Beispiel, ist gleich null. Sogar die langjährigen Einflüsse auf Mainstream-Webmagazine ist kaum bemerkbar. Diese vielleicht dramatische Lage sollte uns allerdings nicht berühren. Wir sollten sie aber auch nicht ignorieren. Die kollektive Sehnsucht nach Interdisziplinarität ist eine der grossen idealistischen Strömungen unserer Zeit und prägt fast alles, was Künstler und Aktivisten im Bereich neuer Medien machen.

KW: Können Sie sich vorstellen, dass sich diese “Drittkultur” auch im Handybereich entwickeln könnte?

GL: Ob es eine ‘autonome’ Handykultur jenseits von Markt und Staat gibt, wage ich zu bezweifeln. Bisher habe ich nur ein paar dutzend Kunstprojekte gefunden, die sich mit dem recht neuen Medium befassen (obwohl SMS schon recht alt ist…). Künstler sind halt recht langsam und nicht unbedingt schneller oder innovativer als andere Benutzergruppen wie Schüler oder Sportfans. Es geht mir aber nicht um (quasi subversive?) Nutzerkulturen – das wäre ein Thema für die Abteilung Cultural Studies. Neue Medien haben im Prinzip die Möglichkeit den Code zu ändern, den Standard, die Benutzeroberflächen, die Richtung und Modalitäten, in denen kommuniziert wird. Was ansteht sind Open Source Projekte für dritte Generationsserver, die es möglich machen, dass die Inhalte, aber vielleicht auch die Kommunikation selber, wenigstens teilweise aus den Händen von Vodafone, Deutsche Telekom oder Orange (ich nenne hier nur ein paar Beispeile) genommen wird. Viele sind von dem DoCoMo Hype in Japan fasziniert. Sie realisieren aber nicht, dass das redaktionelle System komplett in den Händen von NTT ist. Das ist eine ungeheuere Medienkonzentration. Diese Machtfrage ist aber nicht durch die übliche Marktregulierung vom Staat zu lösen. Wir müssten schauen, ob es Möglichkeiten gibt die Technologie von Innen zu demokratisieren, also auf der Ebene von Standards und Zugangsberechtigung.

KW: Ich bin gerade dabei zu recherchieren, ob es Möglichkeiten gibt einen offenen SMS-Verteiler einzurichten – also quasi das Prinzip von Internet mailinglists (wie nettime [http://www.nettime.org]) auf SMS zu übertragen [ http://www.dafu.de/redir/redir-sms-sw.html ]. Wäre das nicht ein Schritt in die Richtung die Machtstrukturen aufzubrechen und einen öffentlichen Raum im mobilen Internet aufzubauen?

GL: Ja, aber eine solche Initiative spielt sich nur im diskursiven Raum ab. Es wird, hoffentlich, interessante und kritische Inhalte erzeugen. Jedes neue Medium braucht sie dringend. Doch werden die Mobilfunkfirmen ihre redaktionelle Macht abgeben? Die wirkliche Frage dreht sich hier doch um Software, Standards und Design. Schliesslich kann es doch nicht angehen, dass die Standards von Firmen gesetzt werden, wir die Benutzer als KonsumentInnen immer nur zu Gast sind, und dazu noch für die “Beteiligung” ordendlich bezahlen.

KW: Muss man jedoch nicht auch diese Inhalte prinzipiell in Frage stellen? Allein der wahrnehmungspsychologische Kontext müsste doch fragwürdig erscheinen lassen, ob Inhalte einer “Drittkultur” oder Gegenöffentlichkeit im Snackformat gegenüber “Content” überhaupt bestehen können.

GL: Klar könnte sowas existieren. Wenn genügend Handykonsumenten sich für solche Foren interessieren, werden die ‘hippen’ Redakteure der Mobilfunkdienste schon eine Niche einrichten, wo ‘Rassismus’ oder ‘Globalisierung’ diskutiert werden kann. Aber darum geht es doch nicht. Wir können auch heutzutage Leserbriefe schreiben und bei manchen Radios anrufen. Im Falle des Handies wird der Content besonders ‘pop-korrekt’ sein, aber nach wie vor immer unter DEREN Bedingungen. Das ist keine Medienfreiheit. KW: Was ist vor diesem Hintergrund mit SMS machbar? GL: Viel. Die SMS Geschichte ist ja lustig, weil m-commerce SMS übersehen hatte, nach jahrelangen 3G-Gigantismus überrascht feststellen musste, das SMS eine ähnliche (vielleicht sogar grössere) Popularität wie E-mail erreicht hat. Die Zahl von interessanten SMS Kunstprojekten nimmt jetzt rasch zu. Zum Biespiel das SMS-Radio-Interface-Projekt von Matthew Fuller und Graham Harwood aus London, bei dem SMS-Nachrichten in Radiosignal umgesetzt werden [ http://scotoma.org/TextFm/ ], Janos Sugar, der in der deutschen Kleinstadt Heidenheim eine öffentliche SMS-Skulptur an der Fassade des Bürgermeisteramts hergestellt hat [ http://www.kunstmuseum.heidenheim ] oder Rachel Bakers SMS-Projekt mit Fussballfans in Hull [http://www.ambernectar.com/tigertxt ].

KW: Wenn sich wie absehbar das Handy als Alltagskommunikationswerkzeug verbreitet, vielleicht sogar soweit, dass auch Bevölkerungen in ärmeren Ländern damit ausgestattet sind, könnte es im Zuge der neuen Epoche, in der Krieg als Massenkultur (Holert/Terkessidis) und Katastrophen zum Alltag gehören und immer neue Fluechtlingsstroeme verursachen, eine ganz neue Funktion übernehmen. Es geht mir jetzt nicht um Sci-Fi, sondern eher um einen Versuch das demokratische Potential des Handys zu untersuchen, wenn ich frage, ob Sie sich vorstellen können, dass es Voting/Umfrage-Systeme via SMS geben wird, die zum Ziel haben, die neuen temporären Karthographien zu erfassen.

GL: Ja, dies alles und mehr könnte ich mir vorstellen. Technologie spiegelt die Gesellschaft und hat, leider, nicht den Alien Charakter, den wir uns manchmal wünschen. Ich bin weder Trendwatcher, Futurologe noch Berufspessimist. Ich brauche nicht zu warnen. Technologie hat das Potential Zerstörungen ins Tausendfache von Auschwitz und Hiroshima zu bewirken – und dies alles koordiniert über Handies. Es geht mir, und anderen, darum, zu zeigen, das Technologie nichts Gottgegebens in sich hat, sondern das es alternative (oder besser gesagt: taktische) Öffentlichkeiten gibt, unterstützt von offener Open Source Software. Die Gesellschaft ist in der Lage sich gegen ihre eigene Technokratie zu wehren. Ob wir diese Möglichkeit in bestimmten Fällen wahrnehmen ist eine andere Frage.

KW: Abschliessend möchte ich auf das politische Potential des Handys und der elektronischen Kurznachricht zu sprechen kommen. So wurde während der Flugzeug-Entführung und der bereits zusammenbrechenden WTC-Türme am 11.09. das Handy zum Kommunikationsinterface mit der Aussenwelt: Opfer nutzten das Gerät, um ihre Angehörigen zu verständigen und über die Entwicklungen auf dem laufenden zu halten [http://www.mindjack.com/feature/cell.html ]. Könnte man Ihrer Meinung nach sagen, dass diese, teilweise auch via SMS verschickten Botschaften, einen ähnlichen Stellenwert haben, wie die Email-Tagebücher während des Kosovo-Krieges?

GL: Na sicher. Interessant ist aber auch, das Cellphones in den Vereinigten Staaten erst nach dem 11. September 2001 richtig populär geworden sind. Ganz anders als in Europa, Asien oder gar Afrika, waren die US-Amerikaner nicht so richtig an diesen Gadgets interessiert. Manche haben das auf einen Wortpuritanismus zurückgeführt, aber ich habe das nie so richtig geglaubt. E-mail war einfach zu billig und weitverbreitet. Der Mobilfunkmarkt dagegen war (und ist teilweise noch immer) zersplittert und unterkapitalisiert. In den 911 Geschichten finde ich die Benutzung von Telefon innerhalb des Flugzeugs am interessantesten. Das Problem mit solchen heroischen Mediengeschichten ist der ‘schweigende Andere’, der nicht-Angeschlossene, derjenige der sich verweigert zu kommunizieren. Ich rede hier nicht über Zensur, weil der Zensurfall sich eigentlich schon immer innerhalb der Medien abspielt. Zensuriertes Material existiert schon, es wird bloss nicht veröffentlicht. Der schweigende Andere produziert überhaupt keine technischen Daten. KW: Wie laesst sich dieser Punkt auf andere Medien übertragen und verallgemeinern? GL: In Kosovo waren das Albaner, die erstmal kein Zugang zum Netz hatten und stattdessen Satellitentelefone im Fluechtlingslager genutzt haben. Eine ähnliche Situation können wir auch im Falle 911 beobachten. Während das Internet in den Vereinigten Staaten eine unerwartete Renaissance durchgemacht hat – viele bleiben nachwievor zu Hause, verreisen nicht und bestellen ihre Weihnachtsgeschenke online – herrscht auf der anderen Seite des Konflikts erstmal Schweigen. Es gibt kaum einen Dialog zwischen dem Westen und der globalen islamischen Intelligenz. Al Queda ist zerschlagen und hat sowieso nie eine besonders ausgeprägte Medienstrategie gehabt. Zudem ist es interessant wahrzunehmen, dass die Konflikte aus den letzten Jahren kein ‘infowar’ Element haben. Die Sicherheitsmassnahmen in diesen Bereich basieren also nicht auf aktuellen Geschehnissen, sondern auf einer kollektiven Paranoia. Der richtige Infokrieg wird von 15 Jährigen script kiddies gefuehrt, die Virenprogramme fuer lausige Mircosoftprodukte schreiben. Der befuerchtete Cyberjihad bleibt erstmal aus. Die Technoabstinenz ist meiner Meinung nach eine komische Mischung aus Unterentwicklung und einem tiefen Kulturunterschied in der Herstellung von medialen Oeffentlichkeiten. Es geht hier sicher nicht um Technikfeindlichkeit oder Technophobia. Das lässt sich gut an der Benutzung von Waffen ablesen, wo es solche Vorbehalte auf keiner Seite gibt.

KW: Was die Medienstrategie der Al Qaeda anbetrifft, kann ich Dir nicht ganz zustimmen. Nehmen wir die auf Videokassetten zirkulierenden Ansprachen von OBL, die Tatsache, dass er sein erstes TV-Interview selbst in die Wege leitete, in dem er einen CNN-Reporter konsultierte, die Rekrutierungsvideos seiner Organisation, oder die CD-Roms, auf denen u.a. auch die Dschihad Enzylopaedie “gepresst” wurde. All das zeugt von Medienkompetenz, zudem hat OBL immer mit mehrern Medienberatern seine “Auftritte” geplant und durchgefuehrt.

GL: Klar kommuziert OBL mit seinen Leuten. Ich moechte auch nicht behaupten er benutze keine technischen Medien. Die Videokassetten sind aber nicht fuer die globalen Nachrichtenmedien bestimmt. Dieser Unterschied ist schon wichtig. Viele dieser Organisationen glauben einfach nicht mehr an die Strategie die Weltoeffentlichkeit ueberzeugen zu muessen. Das war in der Vergangenheit anders. Al Queda macht keine Anstrengung, uns von irgend etwas zu ueberzeugen. Sie spricht nur zu Glaeubigen, vielleicht zu den Moslims weltweit, aber sogar davon bin ich mir nicht ganz sicher.

KW: Moechtest Du etwa nahelegen, dass die Videos lediglich eine Fingeruebung in Sachen Medienkompetenz darstellen und vielleicht nur das westliche Publikum in Staunen versetzen sollen (im Sinne von: Wow, diese Aliens haben sich unserer Sprache bemaechtigt!) oder moechtest Du OBLs Organisation Narzismus unterstellen (sprich: alle medialen Artfakte sind Vehikel der Kompensation)?

GL: Medienkompetenz ist weltweit verbreitet. Das gilt fuer Technologie allgemein. Alle fahren Auto, bedienen Computer, schreiben gar Programmcode oder bauen Nuklearwaffen. Das heisst aber noch lange nicht das sie Zugang zu den westlichen Kommunikations und Machtssystemen haben – oder sich das wuenschen. Islamische Fundamentalisten wie OBL zielen nicht auf Weltherrschaft ab. Sie sind nicht daran interessiert, was wir denken oder behaupten. Es ging im Falle 911 nicht um Ueberzeugung, deswegen gab es auch keine Erklaerung. Was viele Fundamentalisten sich wuenschen, ist Abschottung von der westlichen Welt. Ich wuerde das nicht Narzismus nennen. Es ist eine defensive und zugleich aggressive Geste. Das gilt auch fuer manche Christenfundamentalisten. Dabei geht es erstmal nicht um die Frage ob Codan-Radios oder VHS-Recorder Boese seien. Die Technologien, egal welche, werden skrupellos als Werkzeuge eingesetzt. Das empoert uns, die Strukturalisten und Technomaterialisten besonders, weil wir immer der Meinung sind, dass die Benutzung der Medien eine gewisse Aura erzeugt, so genannte Nebeneffekte. Die Idee ist, dass der Computer an sich ein Weltbild mit sich bringt. Diese Annahme wird erstmal radikal in Frage gestellt.

KW: Ich kann Dir in einem Punkt nicht ganz zustimmen, denn ich bin mir ziemlich sicher – davon ausgehend, dass OBL mit 911 etwas zu tun hat -, dass OBLs Organisation sich mit unserer Psyche und unserer medialen Kultur beschaeftigt hat. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es bei der WTC-Attacke nur darum ging zu zerstoeren und zu toeten. Es ging darum, ein Medienspektakel in Szene zu setzen, etwas, dass auf unserer Netzhaut und in unseren Hirnwindungen brennt. Dieser symbolische Akt setzt ein intimes Wissen, um unsere (westlichen) Obessionen voraus: Bilderfetisch, etc. In diesem Sinne, auf dieser visuellen Ebene, haben sie sich Zugang zum westlichen Kommunikations- und Machtsystem verschafft.

GL: Um so realer um so symbolischer. Das ist ein Gesetz aller politscher Aktionen. Die Agentur Bilwet, zu denen ich gehoere, hat sich dazu in der Bewegungslehre (1991) geäussert. Im Akt der Sabotage zerstoert man reales (ein Fenster, ein Gebaeude usw.).   Das gilt genausogut fuer Osama BL. Er hat die Twin Towers ausgewählt wegen ihren Symbolwert (und vielleicht auch weil der Bombenanschlag aus 1993 nicht gelungen war). Der Akt selber ist hier die Medienstrategie, nicht die ueblichen Pressekonferenzen, Websites, Videoclips und sonstiges Werbematerial. Da liegt der Unterschied zwischen OBL und   andere Organisationen wie RAF, IRA oder ETA die immer eine Erklärung abgeben und immer Aktionen zu legitimieren und ihre Forderungen zu stellen. 911 ist postmedial. Die Anschläge haben ein enormen medialen Fallout aber der Kern der Sache liegt jenseits der Medienfrage. Weitere Telepolis Artikel
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